50 Jahre
BRH Bundesverband Rettungshunde e.V.

Eine Zeitreise von den Anfängen der privaten Rettungshundearbeit in Deutschland bis heute.

Kapitel 1

Die Anfänge

Als im Jahr 1973 die Ausbildung von Rettungshunden aus finanziellen Gründen von Seiten der Bundesregierung eingestellt wurde, führten einige engagierte Rettungshundeführer ihre Arbeit als ehrenamtliche Lebensretter in Vereinen fort. Drei Jahre später entstand der Verband für das Rettungshundewesen in Baden-Württemberg e.V., der Vorläufer unseres Vereins und die erste private Rettungshunde-Organisation in Deutschland. Gleich im Gründungsjahr wurde mit der Ausbildung der ersten Rettungshunde begonnen. Damals waren es vorwiegend Schäferhunde, die sich durch die Arbeit bei der Polizei als geeignet erwiesen hatten. Zunächst bildeten wir unsere Hunde nur für die Suche in Trümmern aus. Erst später kam die Flächensuche und das Mantrailing hinzu.

Die ersten Einsätze

Das Jahr 1980 ging in die Geschichte des jungen Vereins ein: Erstmals konnten unsere Rettungshunde in einer Extremsituation ihr Können unter Beweis stellen. Am 23. Januar 1980 stürzte ein Mehrfamilienhaus in Freiburg nach einer Gas-Explosion ein. Unsere Rettungshunde waren sofort zur Stelle, um nach Verschütteten zu suchen. Auf den Tag genau zehn Monate später kamen unsere vierbeinigen Retter erstmals bei im Ausland zum Einsatz: beim verheerenden Erdbeben im italienischen Lioni. Nach der Katastrophe in Italien schrieben erstmals auch Zeitungen über unseren lebensrettenden Einsatz. Die  Erfolgsgeschichte des BRH begann.

 

Foto: Einsatz nach dem Erdbeben im Jemen 1982

Kapitel 1

In den kommenden Jahrzehnten kamen immer neue Rettungshundestaffeln in ganz Deutschland hinzu. Die Zahl der Rettungshunde, aber auch der Alarmierungen stiegen rasant an.

Immer häufiger wurden wir nun als Spezialisten im In- und Ausland um Hilfe gebeten, beispielsweise beim Zugunglück im niedersächsischen Eschede (1998), nach dem Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall (2006), dem Sturm auf den Philippinen (2014) oder dem Erdbeben in Nepal (2015). Hinzu kamen hunderte Einsätze in der Fläche.

 

Foto: Feldlazarett in Zusammenarbeit mit I.S.A.R. Germany auf den Philippinen

Kapitel 1

Historie 3

TCRH – Trainingscenter Retten und Helfen

Die zentral organisierten Aus- und Weiterbildungsangebote des Verbandes fanden in den ersten 30 Jahren häufig unter spartanischen Bedingungen statt. Zeltlager und Theorieunterricht im Freien waren Standard. Dies änderte sich 2008 mit dem Erwerb des ersten Ausbildungszentrums in Hünxe. Das ehemalige Anita-Thyssen-Heim bietet auf 75.000 Quadratmetern Seminarräume, Übernachtungsmöglichkeiten und vielfältige Trainingsmöglichkeiten.

2010 wurde ein ehemaliges Betonwerk in Malchin erworben. Das TCRH Malchin bietet die optimalen Voraussetzungen zur Ausbildung von Trümmersuchhunden sowie zum Üben verschiedenster Bergungstechniken. Von Einsatzkräften für Einsatzkräfte präsentiert sich die ehemalige Neckartal-Kaserne seit 2015 als TCRH Mosbach. Einsatzkräfte unseres Verbandes sowie aus allen anderen Blaulichtorganisationen trainieren im weitläufigen TCRH Mosbach alle für die Rettung von Menschen oder den Katastrophenfall erforderlichen Fähigkeiten und ergänzen stetig ihr Know-how.

2026
1980

Einsatzuniform

1980 2026
Hund
Ausrüstung

Hund

Ausrüstung Hund
Kapitel 4

Helfer der ersten Stunde // Jürgen Behrendt

Jürgen Behrendt gehört zu den Gründungsmitgliedern des BRH Bundesverbandes Rettungshunde e.V. Bis vor kurzer Zeit war er noch als Einsatzkraft in der BRH Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau aktiv. Heute genießt er mit seinen Hunden den wohlverdienten Ruhestand.

Wie war die Stimmung im Jahr 1976 als der BRH Bundesverband Rettungshundee.V. gegründet wurde?

Nachdem die Bundesregierung die Ausbildung von Rettungshundenaus finanziellen Gründen einstellte,waren wir alle der Meinung, dass es unbedingt weitergehen muss. Wir glaubten an die Fähigkeiten der Hunde als Retter und ließen uns nicht unterkriegen. Aber am Anfang war die Zukunft der Rettungshundearbeit noch sehr ungewiss.

Welcher Ihrer Einsätze aus derAnfangszeit ist Ihnen besondersim Gedächtnis geblieben?

Der Einsatz nach dem Erdbeben in Lioni/Italien. Es war der erster Auslandseinsatz des BRH. Zusammen mit meinem ersten Rettungshund, Schäferhund Gildo,und anderen Rettern suchten wir nach Verschütteten. Wir alle waren auf das Ausmaß der Katastrophe und die schrecklichen Bilder nicht vorbereitet. Wir hatten ja keine Erfahrungen. Doch als wir sechs Personen lebend orten konnten, war die Freude riesig. Aus dem Italien-Einsatz haben wir viel gelernt.

Was war Ihr emotionalster Einsatz in 40 Jahren?

Am schlimmsten waren und sind noch immer Einsätze, bei denen wir nach vermissten Kindern suchen müssen. Das geht an die Substanz. Wenn es sein muss, suchen wir die ganze Nacht durch. Die Suche nach Kindern ist immer eine enorme emotionale Belastung. Und auch nach 40 Jahren im Einsatz leide ich mit den Angehörigen.

Was waren die Schwierigkeiten in den Anfängen?

Damals waren die Bedingungen für uns Rettungshundeführer noch schlecht. Wir mussten Urlaub für Einsätze nehmen, beziehungsweise bekamen keine Lohnfortzahlung. Die ersten gebrauchten Einsatzfahrzeuge musste unsere Staffel selbst finanzieren und umbauen.Wir bekamen keine Hilfe. Spenden waren damals selten.

Was hat sich seit dem verändert?

Die Anerkennung unserer Arbeit ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Das freut mich! Heute sind wir als Rettungshundeführer anerkannt. Die meisten Arbeitgeber haben Verständnis für unser ehrenamtliches Engagement und stellen ihre Mitarbeiter frei. Eine besonders positive Veränderung ist für uns die Unterstützung durch den Verband. Wir erhalten nicht nur eine kostenlose Aus- und Weiterbildung, auch finanzielle Unterstützung bei der Ausrüstung oder bei der medizinischen Versorgung unserer Hunde im Ernstfall entlasten uns als Hundeführer enorm. Dafür sind wir sehr dankbar.

 

Foto: BRH Präsident Jürgen Schart ehrt auf dem Verbandstag 2017 Jürgen Behrendt für sein 40jähriges Engagement im Verband

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Kapitel 6

Blick in die Zukunft

Nach 50 erfolgreichen Jahren sehen wir mit Zuversicht nach vorne. Um auch das nächste halbe Jahrhundert Menschen in Notsituationen helfen zu können, haben wir die Zukunft mit ihren stetigen Veränderungen immer im Blick. Für die finanzielle Sicherheit unseres Verbandes sorgt die mit 01.01.2026 gegründete BRH Stiftung Retten & Helfen. Eine interne Strukturreform soll uns von innen heraus stärken. Aber auch unsere zukünftigen Einsätze im Ausland stehen auf dem Prüfstand, um unsere Hilfe nach schweren Katastrophen noch effektiver zu gestalten.

So baut Rettungshundearbeit Brücken zwischen Menschen und Ländern.

Wir sind immer dann vor Ort, wenn Hilfe erforderlich ist – national und international.

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